Rückblick: Fußball-System-Wechsel 1989-91

Veröffentlicht von Redaktion am

Wie unterschiedlich Fankultur in einer Stadt gelebt werden kann, davon durften wir uns am 15. Oktober im YAAM Berlin überzeugen.

Gesellschaftsspiele hatte in den Club am ehemaligen Mauerstreifen geladen, um über die Umbrüche in der Berliner Fankultur zur Zeit des Mauerfalls zu diskutieren. Fans der großen vier Berliner Vereine gaben einen Einblick in die Veränderungen in ihren jeweiligen Fanszenen und die Verhältnisse untereinander.

Tebe, BFC, Hertha und Union – Fanzeitzeugen aller vier großen Berliner Vereine standen Frage und Antwort

Elke Wittich erzählte, wie sie nach dem Mauerfall eher durch Zufall in das Umfeld des BFC Dynamo geriet und was sie dort zu schätzen wusste. Pingpong-Alex, langjähriger Fan von TeBe berichtete von den antisemitischen Gesängen und rechten Angriffen während der Auswärtsfahrten in den frühen 90ern. Einen Überblick über die Veränderungen in der Herthaszene gab Knut Beyer, von den Zeiten der Fanfreundschaft mit Union über die Dominanz rechtsradikaler Fans in den 80ern bis hin zum positiven Einfluss der Ultrakultur Ende der 90er. Chris Lopatta erzählte uns, warum er mit Union nie mit dem Bus auswärts fuhr und dass es in der DDR zwar nicht viele Fanartikel, dafür aber schon Unionshirts mit pinker Aufschrift gab. Moderiert wurde die Veranstaltung von Rico Noack (Gesellschaftsspiele).

Chris Lopatta nimmt uns mit zu Union in der Wendezeit.

Wie auch schon zum Auftakt von Fußball ohne Mauer konnte zwischen den Vereinen, oder besser gesagt ihren Fanszenen, manch ein Graben der Abneigung aber auch die ein oder andere Brücke der Sympathie entdeckt werden. Die Konfliktlinien verliefen interessanterweise nicht unbedingt entlang der ehemaligen Mauer. Und das obwohl die Labels Ost- und West-Berlin weiterhin existieren.

Der Abend zeigt aber auch deutlich, dass es nicht die eine Geschichte, nicht die eine Erinnerung, nicht die „eine Freundschaft“ gab. Vielmehr garen es viele verschiedene Biographien, mit Lücken und mit diversen individuellen Eigenheiten. Der Stadtrivale musste nicht immer der Feind sein, genauso wenig wie Freundschaften auch durchaus unterschiedlich bewertet und gelebt wurden.

Auf das fußballhistorische ZEITSPIEL Magazin war vor Ort

Einen unaufgeregten und in Teilen auch nachdenklichen Abend erlebten die ca. 50 Anwesenden im YAAM. Dieser wurde für die Nerd- und/oder Geschichtsfraktion mit der Erstaufführung des FDGB-Pokal-Viertelfinales zwischen dem BFC Dynamo und dem FC Union Berlin eingeläutet. Gesellschaftsspiele bedankt sich bei allen Anwesenden ebenso für die gesammelten 50 EUR für die Obdachlosennothilfe.

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